Sonntag, 22. November 2015

Finale

Guten Tag alle miteinander,


ich schaffe es nun endlich wieder, einen letzten Blogeintrag hier in Indien zu verfassen.
In den letzten zwei Wochen war ganz schön viel los und zwischendurch hat auch noch das Internet gestreikt. Gerade geht es, wenn auch nur sehr gemächlich....ich denke, es liegt am Regen. Außerdem hatte ich meine erste, indische Erkältung, die doch ein bisschen länger angedauert hat, als ich davor erwartet hätte und mich an mein Bett fesselte.

Nun bin ich also nur noch wenige Tage hier in Shevgaon und bald geht es für mich dann in den Süden Indiens. Dort werde ich dann noch knappe vier Wochen umherreisen, bevor es für mich kurz vor Weihnachten wieder nach Deutschland geht.

Aber zuerst kann ich euch ja noch ein bisschen erzählen, was in den letzten Wochen passiert ist.

Nachdem ich eine Woche im Social Department geholfen habe, ging es für mich dann auf die Wochenbettstation: Ward 3. Ich, als examinierte Hebamme, konnte dort nicht wirklich viel helfen, was auch damit zusammenhängt, dass das Personal dort ausschließlich Marathi spricht und die Verständigung darum sehr schwierig war. Trotzdem war es aber interessant, den ganz normalen Stationsalltag zu beobachten. Bis dahin war ich ja nur im Kreißsaal und da Babys rund um die Uhr zur Welt kommen, gibt es einen wirklichen „Alltag“ dort fast nicht.
Der tägliche Ablauf auf Station ist eigentlich sehr klassisch: Morgens werden alle Frauen „durchgemessen“, es wird nach der Heilung eventueller Geburtsverletzungen geschaut, Infusionen und Medikamente werden verteilt und alle Babys werden von den Schwestern gewaschen. Die Frauen bleiben nach einer normalen Spontangeburt meistens drei Tage im Krankenhaus und werden in dieser Zeit von ihren Angehörigen gehegt und gepflegt. Neben einem Laken stellt das Krankenhaus nichts, sodass sowohl Bettzeug, als auch Verpflegung, von den Familien in Krankenhaus gebracht werden. Das ergibt eine herrlich trubelige, bunte, gut riechende Mischung.
Es ist auf jeden Fall immer wieder erstaunlich, wie viel die Schwestern und Ärzte hier mit dem zur Verfügung stehenden Material erreichen. Not macht erfinderisch und darum gibt es einige Ideen, die ich auf jeden Fall mit nach Deutschland nehmen werde.

In der darauffolgenden Woche war ich dann in Pathardi. Es wurde schon in einem anderen Blogeintrag von einer Freiwilligen beschrieben: Das Krankenhaus in Pathardi ist mehr so, wie ein Geburtshaus bei uns. Es wird geleitet von Sister Augustina, die Ärztin und auch Nonne ist und mit drei anderen Schwestern gemeinsam in Pathardi lebt. Neben dem Krankenhaus gibt es auch noch eine Kirche, ein Mädchenwohnheim und ein Jungenwohnheim. Die Kinder waren gerade nicht da, weil sie Ferien hatten. Darum war alles sehr, sehr ruhig. Das Kloster in Pathardi ist sowieso sehr ruhig gelegen und ein sehr friedvoller Ort. Jährlich kommen hier ungefähr 3000 Kinder zur Welt. Jede Frau, die mit Wehen vor der Tür steht, wird sehr ausführlich untersucht. Dann wird entschieden, ob sie ihr Kind in Pathardi bekommen kann. Denn es gibt keine Möglichkeit, einen Kaiserschnitt zu machen, sodass im Notfall nur eine Verlegung in Frage kommt. Die meisten Frauen dürfen aber bleiben und sind darum sehr froh. Sie kommen teilweise von sehr weit entfernten Dörfern und machen sich schon einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin auf den Weg, um nicht zu spät zu kommen. Die Preise für eine Geburt sind in Pathardi sehr gering und außerdem hat die Arbeit von Sister Augustina regional einen überaus guten Ruf. Wenn die Geburt noch ein wenig auf sich warten lässt, schlafen die Frauen ein paar Tage vor dem Krankenhaus. Extra dafür wurde eine Art Riesencarport errichtet, damit die wartenden Familien ein Dach über dem Kopf haben. Außerdem stehen Toiletten und Trinkwasser zur Verfügung. Bei so vielen Menschen, ist vor dem Krankenhaus immer was los: Irgendwer kocht immer Irgendwas, die Kinder spielen und es wird sehr viel geredet und gelacht. Eine sehr schöne Stimmung!
Auch für mich als Hebamme war die Zeit in Pathardi wirklich toll. Ich konnte sehr, sehr viel sehen, lernen und wirklich helfen. Tag und Nacht hat Sister Augustina mich gerufen, wenn es einen spannenden Fall im Kreißsaal gab. Und zwischendurch war ich auch im Kreißsaal, habe in meinem Zimmer gelesen oder Spaziergänge gemacht.
Wenn also jemand von euch Hebamme ist und darüber nachdenkt, nach Shevgaon zu kommen: Ihr müsst UNBEDINGT nach Pathardi! Für Hebammen ist das paradiesisch.

An den letzten Tagen arbeite ich nicht mehr im Krankenhaus. Ich werde noch sehr viel mit den unterschiedlichsten Leuten reden, um mehr über das Thema meiner Bachelorarbeit zu erfahren (ganz grob: Bedeutung und Folgen der Geburt eines Mädchens). Außerdem packe ich meine Sachen, organisiere Dies und Das und genieße manche Dinge ganz besonders aufmerksam, da ich sie ja vielleicht das letzte Mal sehe!

Krass! Jetzt ist eine Zeit hier wirklich schon rum. Es fühlt sich ganz und gar nicht so an, als wäre ich insgesamt drei Monate hier gewesen. Die Zeit ist so schnell vergangen! Es gab für mich soviel zu sehen, zu entdecken und zu erkunden, dass ich wohl noch ein paar Monate brauche, eh ich das alles wirklich verstanden habe. Aber es war toll! Die Zeit hier mit den Nonnen, die Ausflüge, die Arbeit im Krankenhaus, das Essen, die Freundlichkeit der Menschen… Die Dinge, die ich in meinen Einträgen beschrieben und erwähnt habe, stellen nur gefühlte 5% (...sorry...) meiner wirklichen Erlebnisse hier dar. Und ich kann darum jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun. Es gibt, glaube ich, nur zwei Dinge, die für einen tollen Aufenthalt hier, vorhanden sein müssen: 1. Die (wirkliche) Lust darauf, etwas ganz Neues und Besonderes zu erleben. 2. Die (wirkliche) Offenheit für Dinge, die ganz anders laufen werden, als man es sich je zu träumen gewagt hätte.

Indien ist ein tolles, wahnsinniges Land! Es hat mich verzaubert und ich plane schon, wann ich das nächste Mal herkomme….nach Indien, Shevgaon und Pathardi. Darum gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits liegt vor mir nun eine lange Reise, in der ich noch ganz andere Dinge sehen und erleben werde, bevor ich im Dezember dann endlich meine Familie wiedersehe. Andererseits war die Zeit hier aber wirklich einmalig schön und hat mich als Hebamme und als Mensch ein bisschen verändert... im positiven Sinne.

Als letztes möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Helfern von INGEAR e.V. bedanken, die mir diese tolle Zeit hier ermöglicht habe. Danke! Danke! Danke!

Eure Sophie

Mittwoch, 4. November 2015

Sozialarbeiter-Tour

Guten Tag alle miteinander,


nun ist die Zeit gekommen, in der ich den Kreißsaal hinter mir gelassen habe und beginne, einen Einblick in andere Arbeitsbereiche zu bekommen.

Aber erstmal habe ich am Wochenende einen Apfelkuchen für die Nonnen gebacken. Das war wirklich schön und für mich eine tolle Aufgabe. Ich stand in der Küche, in der halt normalerweise für über 100 Menschen gekocht wird, habe Teig geknetet, Äpfel geschält und den kleinen Kuchen in den indischen Ofen geschoben. Ein ganz besonderes Erlebnis hatte ich auf der Gewürzebene: Weil Zimt einfach in einen ordentlichen Apfelkuchen gehört, hat mir Sister Mary ein paar Stücke gereicht, die ich erst noch mahlen musste. Und der Geruch, der da aus der Mahlmaschine kam, war wirklich unglaublich! So intensiv und...boah! Ich koche und backe auch in Deutschland sehr gern und habe mir bis jetzt eingebildet, dafür gute Gewürze zu verwenden. Aber nach diesem Zimterlebnis ist mir klargeworden, wie viel Luft da nach oben noch ist.
Auf jeden Fall war der Kuchen sehr lecker, die Nonnen haben sich gefreut und ich soll das Rezept hier lassen. Falls jemand von euch auch mit dem Gedanken spielt, eine zeitlang hier zu leben: Ein gutes, einfaches Kuchenrezept im Gepäck ist eine prima Idee. Denn die Nonnen sind darüber wirklich sehr fröhlich.


Seit Montag bin ich nun mit den Sozialarbeitern unterwegs. Sie brechen jeden Morgen (mit viel Gesang und indischen Köstlichkeiten) auf und besuchen mit monatlicher Regelmäßigkeit die umliegenden Dörfer. Auf dem Programm steht: Schwangerenvorsorge, Impfen von Kindern, Wochenbettbetreuung und eben einfach das Besuchen der Dorfbewohner. Im Mittelpunkt stehen natürlich immer Frauen und Kinder. Das ganze funktioniert nur mit Hilfe von den sogenannten „Health Care Workers“. Das sind Frauen, die in den Dörfern wohnen und im ständigen Kontakt mit den Krankenhausmitarbeitern stehen. Sie haben einen sehr guten Überblick über die Abläufe im Dorf, wissen, wer schwanger ist, wie es welchen Familien geht und auf was man vielleicht besonders achten sollte. Außerdem passen sie auf, dass keine Familie bei den monatlichen Besuchen vergessen wird und alle registriert werden und bleiben. Neben der gesundheitliche Versorgung klären die Sozialarbeiter natürlich auch über Dinge (wie zum Beispiel Wasserversorgung) auf und setzen sich dafür ein, dass Menschen aus niedrigeren Kasten, oder Mädchen, mehr Rechte erlangen und gefördert werden.

Ich muss wirklich sagen, dass mich diese Arbeit sehr, sehr beeindruckt. Wie schon so oft in meinen letzten Wochen (und Monaten) hier, habe ich auch in dieser Woche wieder das Gefühl, dass es im Zusammenhang mit dem Nityseva Hospital sehr viele Menschen gibt, die mit sehr viel guten und wichtigen Ideen Großes vollbringen. Daneben fühle ich mich manchmal völlig nutzlos.


In der nächsten Woche werde ich dann in Pathardi und auf der Wochenbettstation hier im Nityaseva Hospital helfen. Und für meine letzten Tage hier habe ich mir etwas ganz Besonderes überlegt: Ich werde ein bisschen in der Küche beim Kochen und Chapati machen über die Schultern der "Mauschis" schauen. Also den Frauen, die hier alles sauber halten und für das Essen zubereiten. Vielleicht kann ich dann, wenn ich wieder in Deutschland bin, ein echtes, indisches Mahl kochen. Das wäre sehr schön! Von all diesen Dinge erzähle ich natürlich später mehr.

Jetzt werde ich noch zu einem kleinen Abendspaziergang aufbrechen und mir ganz langsam überlegen, was ich nach Deutschland mitnehme. Es ist nämlich so, dass man auf den innerindischen Flügen nur 15 Kilogramm Gepäck bei sich haben darf. Nicht, wie auf den internationalen Routen: 23. Zum Glück wusste ich das vorher, ansonsten wäre es sehr teuer geworden. Damit ich die 15 Kilo auf dem Rückflug nicht überschreite (was nach dem ganzen Geshoppe auf jeden Fall der Fall wäre), wollte ich mir selbst ein Paket nach Deutschland schicken. Das wiederum sollte man lieber aus eine größeren Stadt, wie zum Beispiel Pune, machen. Da bin ich nächste Woche. Bis dahin muss das Paket also fertig gepackt sein. Außerdem sollte man immer auch ein ganz kleines bisschen davon ausgehen, dass die Fracht eventuell nicht (oder nicht vollständig) ankommt. Darum sollte man nichts schicken, was einem zu viel bedeutet und mit einem gewissen Herzblut verbunden ist. Aber auch diese Sache werde ich organisiert bekommen. Ganz sicher!

Viele Grüße aus Shevgaon,

Sophie

Montag, 26. Oktober 2015

Oktoberzeit in Shevgaon

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,


es tut mir sehr leid, dass mein letzter Eintrag nun schon so lange her ist. In den letzten Wochen war ich sehr viel unterwegs, habe viel gearbeitet und, da ich eben auch Daten für meine Bachelorarbeit sammle, viele Dinge notiert, erfasst und erhoben. Das nimmt auch immer einige Zeit in Anspruch.


Auf jeden Fall geht es mir hier nach wie vor sehr gut.

Vor zwei Wochen war ja hier das große Kirchenfest. Yatra. Oder auch allgemeiner gesagt: Feast. Das war sehr schön. Einmal, weil ich das erste Mal meinen eigenen Sari anziehen konnte, der ausgesprochen bequem war, und dann, weil es einfach ein typisches, indisches, katholisches Fest war. Neben sehr viel Predigten, Danksagungen und eine Unmenge an kleinen Shops, die rund um die Kirche aufgebaut waren, gab es natürlich auch sehr viel gutes Essen. Außerdem waren viele Besucher da, mit denen ich mich ausgesprochen ausführlich über meine Zeit hier unterhalten habe. Das indische Englisch verstehe ich nämlich inzwischen sehr gut.

Dann kamen, für mich völlig überraschend, vier deutsche Gäste zu Besuch. Sie waren für vier Tage hier im Kloster und haben sich das Krankenhaus angesehen. Einer von ihnen reist regelmäßig nach Indien, um sich die verschiedenen Projekte anzusehen, die er unterstützt und hat zwei Freunde als Reisebegleitung mitgebracht. Der Vierte hat eine Kooperation mit Sister Hilda gestartet, die beinhaltet, dass ab voraussichtlich 2017, Krankenpflegeschüler aus Deutschland hier ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren können. Bestimmt werden Freiwillige, die in dieser Zeit hier sind, später davon mehr berichten.
Auf jeden Fall hat es mir sehr gut getan, ein wenig mit „Landsleuten“ über meine Arbeit und meine Erfahrungen hier zu reden. Auch, wenn es ja im sehr großen Teil sehr gute Erfahrungen sind, tut ein gewisser Austausch immer gut.
Sie waren übrigens sehr von dem neuen Labor beeindruckt, was ja auch mit viel Hilfe von INGEAR entstanden ist. Ich habe dann gleich ein bisschen mehr darüber erzählt und soll allen Beteiligten auch von ihnen ein herzliches Dankeschön aussprechen.

Morgenverkehr in Ahmadnagar


In den nächsten Tagen sind wir dann zu fünft ein bisschen herumgereist. Ich habe nun Aurangabad, Ahmadnagar und Pune besucht und muss wirklich sagen, dass mir alle drei Städte ausgesprochen gut gefallen haben. Natürlich hat sich auch die ein oder andere Shoppinggelegenheit ergeben, sodass ich inzwischen stolze Inhaberin von drei Saris, fünf indischen Oberteilen, sehr viel Schmuck, klassischen, indischen Flipflops (die man hier wirklich braucht) und vor allem auch Ohrenstäbchen und Schokolade bin.
Auf den Hin-und Rückwegen haben wir außerdem in ganz verschiedenen Orten Pause gemacht und dort neben einem Tee auch immer das dort ansässige Projekt vorgestellt bekommen. Das war auch sehr interessant. Ein Projekt hat sich zum Beispiel mit Wassergewinnung beschäftigt. Gerade hier wird das immer mehr zum Thema. Seit mehr als einem Monat hat es nicht geregnet und alle warten verzweifelt auf die ersten Tropfen.

Weitere Verkehrsteilnehmer...


Nun ist also schon mehr als die Hälfte meiner Zeit hier vergangen und das kann ich kaum glauben. Aber vor mir liegen noch vier weitere Wochen und darüber bin ich gerade sehr froh. Bis zum Ende dieser Woche werde ich noch im Kreißsaal sein. Die nächste Woche verbringe ich dann in Pathardi. Eine Freiwillige hat in einem anderen Blog schon mehr darüber berichtet. In Pathardi leiten drei Nonnen eine Art Geburtshaus. Trotz der relativ kleinen Größe, kommen dort jährlich 3500 Kinder zur Welt. Es ist wirklich Wahnsinn, was die Schwestern dort leisten. Es gibt keine Operationsmöglichkeiten und nur sehr wenig elektronische Geräte, die unter der Geburt Verwendung finden. Für mich als Hebamme ist das natürlich eine einmalige Chance, sehr viele Dinge zu sehen und zu lernen, weil das Personal dort das Allermeiste allein meistert. Nur im Notfall oder, wenn es nicht anders geht, werden die Patientinnen dann in ein anderes Krankenhaus verlegt (zum Beispiel hierher nach Shevgaon). Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Zeit dort und bin gespannt.
Danach bin ich für eine Woche auf der Wochenbettstation hier im Nityaseva Hospital, bevor ich dann die letzten Tage damit verbringen werde, mit den Social Workers in die angrenzenden Dörfer zu fahren und sie bei ihrer Gesundheitsarbeit zu begleiten.
Von meinen Erlebnissen dort berichte ich dann natürlich zu gegebener Zeit.

Ich kann wirklich nur immer wieder sagen, dass die Zeit hier wie im Flug vergeht und jeden Tag etwas passiert, was neu, anders oder unvorhergesehen kommt. Aber eben im positiven Sinne.


Viele Grüße aus dem 35 Grad Shevgaon,


Eure Sophie

Montag, 5. Oktober 2015

साडी

Hallo alle zusammen,


einen ganz herzlichen Gruß aus Shevgaon. Jetzt ist schon wieder eine Woche vergangen und inzwischen bin ich schon seit einem Monat hier. Ein Drittel meiner Zeit ist also schon vergangen...fast unvorstellbar.
Mir geht es weiterhin ausgesprochen gut.

In der letzten Woche habe ich eine grüne Chilli-Bohne für eine Grüne Bohne gehalten (die es hier nämlich auch sehr oft gibt) und sie lockerflockig verspeist. Leider war das keine gute Idee, denn das hat mich für einen Tag wirklich außer Gefecht gesetzt. Die Nonnen haben mir dann eine strenge Diät verordnet und ganz genau darauf geachtet, welche Sachen ich essen darf und welche nicht. Und extra für mich Milchreis und Kartoffeln gekocht. Darum ging es mir auch sehr schnell wieder besser. Und ich wusste ja auch, dass es an dieser Chilli-Bohne lag.


Meine Woche im Kreißsaal verlief ganz normal. Wieder gab es sehr viele Geburten und wieder habe ich darüber gestaunt, wie schnell und meist unkompliziert die Frauen hier entbinden. Manchmal ist der Kreißsaal leer, obwohl eigentlich neun Frauen „unter der Geburt sind“. Aber sie kommen wirklich nur auf ein Kreißbett, wenn die Zeit reif ist, oder es aus irgendeinem Grund erforderlich ist. Ansonsten warten sie einfach vor dem Kreißsaal mit ihren Angehörigen, was da kommen mag. Außerdem ist mir aufgefallen, dass die Arbeitsweise im Kreißsaal hier wirklich sehr entspannt ist. Schon allein die Gangart ist sehr gemächlich und niemals zu schnell. Da komme ich wirklich aus einer ganz anderen Ecke, denn die Hebammenausbildung in Deutschland ist schon doch ziemlich auf Schnelligkeit, Akkuratheit und Fleiß ausgelegt. Aber natürlich kann man weder alle indischen, noch alle deutschen Hebammen über einen Kamm scheren. Ich werde jedenfalls einfach versuchen, ein bisschen von der, hier hochangesehenen, Gelassenheit mit nach Deutschland zu nehmen.




Am kommenden Samstag ist hier in der Kirche ein großes Fest. Darum findet jeden Abend um 18.30 Uhr ein Gebet statt. Außerdem sind immer wieder Besucher im Kloster, die mit den Nonnen essen und beten. Und weil das anstehende Fest wirklich ganz schön groß ist, sind alle irgendwie ein bisschen aufgeregt und auch angespannt. Das ist nicht schlimm….vielmehr liegt einfach irgendetwas in der Luft.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie das wird und werde dann davon erzählen.

Außerdem habe ich gestern eine sehr erfolgreiche Einkaufstour hinter mich gebracht. Die erfolgreichste seit meiner Ankunft hier. Davor habe ich mir einen kleinen Zettel geschrieben, was ich alles brauche und möchte. Und vor allem: Wie das ungefähr aussehen soll. Hier ist es nämlich immer gut zu wissen, was genau man sucht, weil man sonst zwischen den 100000 Möglichkeiten untergeht. Andererseits darf man aber auch keine zu großen Vorstellungen haben, weil es das, was man möchte, nie so richtig gibt (außer natürlich zum Beispiel die getrockneten Datteln aus beispielsweise dem kleinen Geschäft gegenüber der Busstation).




Auf jeden Fall habe ich jetzt endlich meinen ersten, eigenen Sari. Den zu kaufen, war gar nicht so leicht, weil ich eben ungefähr wusste, welche Farben ich suche. Aber grün ist nicht gleich grün und blau nicht gleich blau und so ein Sarivorrat in den shevgaonischen Geschäften riesig. Aber schlussendlich habe ich den richtigen gefunden und das Material für entsprechende Oberteile zum Nähen gegeben. Wenn alles gut geht, kann ich ihn also am Samstag gleich mal anziehen. Und wenn ich ihn mir so ansehe, dann denke ich wirklich, dass da noch der ein oder andere Sari dazukommen wird. In jedem Fall werde ich aber auch dafür wieder Hilfe brauchen. Vielleicht wird das mit jeder Woche besser, aber gerade könnte ich mir nicht vorstellen, allein auf eine Shopping-Tour nach Shevgaon aufzubrechen. Ich wäre einfach total überfordert und würde wahrscheinlich überall viel zu viel bezahlen. Und zu zweit macht es eh auch mehr Spaß.



Viele Grüße aus Indien,

Sophie

Dienstag, 29. September 2015

Neues aus Shevgaon

Hallo liebe BlogleserInnen,


ich schreibe euch heute wieder aus dem sehr warmen Shevgaon. Aktuell sind hier 35 Grad und alle warten seit einer Woche auf Regen. Eigentlich gibt es im September sehr viel Regen, aber in diesem Jahr fällt der Niederschlag mau aus. Übrigens ist es sehr interessant zu sehen, wie sehr sich die Menschen hier über Regen freuen. In Deutschland verziehen da ja eher alle die Miene.

Ich bin nun schon seit drei Wochen hier und komme immer mehr in einen gewissen, indischen Alltag. Inzwischen habe ich genug Sachen, um mich komfortabel kleiden zu können, werde mir aber in den nächsten Tagen irgendwann auch endlich meinen eigenen Sari kaufen. Das geht natürlich nur mit Hilfe, darum habe ich mich mit einer Lehrerin der Nursing School des Nityaseva Hospitals verabredet, die ihr Zimmer gleich neben meinem hat. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, für welche Farbe ich mich dann letztendlich entscheide.

Die letzte Woche ist ziemlich schnell vergangen. Generell muss man sagen, dass durch die sechs Arbeitstage, die man in der Woche hat, eigentlich gar nicht soviel Zeit für andere Dinge bleibt. Nach meinem Besuch im Students Hostel am letzten Sonntag, der übrigens sehr interessant, aber auch ein bisschen überfordernd war, waren die Nonnen noch zum Essen bei einer...tja...einfach ganz normalen indischen Familie eingeladen. Da bin ich dann mitgegangen und habe das erste Mal außerhalb der Klostermauern auf dem Boden sitzend und mit der rechten Hand gegessen. Das hat ganz gut geklappt…

Meine Arbeitswoche habe ich wieder im Kreißsaal verbracht. Dort werde ich auch noch bis November bleiben, bevor ich jeweils eine Woche in Ward 2 (der Wochenbett- und Schwangerenstation) verbringe und die Sozialarbeiter begleite, die aufs Dorf fahren und dort medizinische Grundversorgung anbieten (davon könnt ihr in anderen Blogs von anderen Freiwilligen lesen). Diese Woche war im Kreißsaal sehr viel los, sodass es manchmal wirklich schwer war, den Überblick zu behalten. Die Hebammen und Ärzte reden meistens Marathi miteinander und wenn es stressig ist, hat nicht immer jemand Zeit, alles nochmal auf Englisch zu erklären. Eigentlich bin ich durch mein Hebammenexamen ja Experte, was geburtshilfliche Fragen angeht, aber hier muss ich mich teilweise wirklich anstrengen, um Folgen zu können. Mir wurde aber in dieser Woche nochmals versichert, dass ich lediglich „Observer“ bin. Es ist also völlig in Ordnung, wenn ich manchmal einfach nur danebenstehe und überfordert bin, weil ich nicht als Arbeitskraft oder so zähle. Das ist sehr beruhigend.

Am Samstag war ich mit den Nonnen dann auf einer Feier, weil eine Kirche im Nachbarort 50jährgiges Jubiläum hatte. Dafür wurde ich in den besten Sari einer Nonne geschmissen, weil ich ja noch keinen eigenen habe. Außerdem wurde mir sehr, sehr viel Schmuck angehängt. Für mich als alte Protestantin ist für kirchliche, festliche Anlässe ja eigentlich weniger manchmal mehr, aber trotzdem habe ich mich wohlgefühlt. Wirklich sehr feierlich. Nach der Veranstaltung gab es ein reichliches Buffet und ich konnte wieder mal meine „Mit-Den-Händen-Essen“-Fertigkeiten unter Beweis stellen. Zusätzlich Herausforderung: eine Deutsche im Sari wird eh schon ziemlich eifrig beobachtet; da möchte man noch viel weniger falsch machen.
Außerdem habe ich Lukas getroffen. Er kommt aus Österreich, studiert Soziale Arbeit und macht hier gerade ein 4monatiges Praktikum in einem Kinderheim für Jungen. Im ersten Moment war es wirklich ein bisschen ungewohnt, mit einem europäischen Mann Deutsch zu reden. Und das schon nach drei Wochen. Wer weiß, wie es mir erst nach drei Monaten geht.

Am Sonntag gibt es hier immer zwei Gottesdienste. Einen um 6.30 Uhr und einen um 8.30 Uhr. Wenn man hier mit den Nonnen im Kloster lebt, sollte man schon zu einem davon gehen. Genau wie die Teilnahme an Ausflügen oder das Mitspielen bei den sonntagabendlichen Kartenspiel-Runden. Natürlich ist das alles freiwillig, aber irgendwie gehört es schon dazu. Falls jemand von euch überlegt, auch hierher zu kommen, solltet ihr das Beachten. Es ist aber immer sehr lustig, sodass es wirklich eine Bereicherung ist. Außerdem lernt man damit viele indische Dinge kennen, die man ansonsten niemals sehen würde. Auf jedem Fall war ich am letzten Sonntag bei der 1. Messe, weil ich danach Schwester Lisa zum Markt begleiten wollte. An jedem Sonntag geht eine andere Schwester und kauft frisches Gemüse für die nächsten vier Tage. Das war echt ganz schön aufregend. Eigentlich wollte ich Fotos machen, aber die 10000 Eindrücke haben mich echt erschlagen (was hier übrigens eigentlich fast immer passiert, wenn ich Fotos in Shevgaon machen möchte). Ich werde also am nächsten Sonntag einen zweiten Versuch starten, aber falls ich auch da noch überfordert bin, habe ich zum Glück noch sieben weitere zur Verfügung.




Bis zum nächsten Mal,
Sophie



PS: Leider klappt es in dieser Woche nicht mit dem Fotos hochladen. Mein Internet ist seit vier Tagen so langsam, dass das wirklich unmöglich ist.